Was für eine Nacht. Da überlebe ich die Apokalypse, um mich anschließend fast von einer Klimaanlage grillen zu lassen oder von ihr in den Wahnsinn getrieben zu werden.

Aber von Anfang an:

Es ist Nacht. Etwa halb 1 und ich schlummere seelig vor mich hin. Plötzlich nehme ich etwas wahr, das weder in meine Traum- noch in meine Realumgebung passt. Ich höre Wassergeplätscher. Es dauert ein paar Sekunden ehe ich begriffen habe, dass es tatsächlich ein echtes Geräusch ist und ich es nicht bloß in meinen Gedanken projeziere. Langsam gleite ich in den Wachzustand zurück. Mein Verstand fängt an zu rattern: Wie kommt ein Blubbern gleich einer Tropfsteinhöhle oder ein Fließen gleich einem Rinnsal in mein Schlafzimmer?

Ich springe aus dem Bett, mache Licht und erkenne auch schon „wo die Quelle des Übels“ liegt: Aus der Klimaanlage perlen dicke Wassertropfen herab auf meinen Sekretär. Ich tue noch ein paar Schritte, um mir die Sache genauer anzusehen. Dicht davor stehend und noch immer etwas schlaftrunken fällt mir die Verlängerungs-3-Steckdose ins Auge, die nur ein paar Zentimeter neben der herabfallenden Wasserstraße liegt – und die bereits ordentlich Wasserspritzer eingebüßt hat. Wie ich sie so den Kopf nach vorne gebeugt anstarre, nehme ich plötzlich ein grauslig brummendes Geräusch und ein Bitzeln wahr, welches aus der Dose kommt. OK: Jetzt bin ich wirklich wach. Meine nächste Bewegung: Die 3-er-Box von der Hauptsteckdose trennen und hastig vom Wasserfall entfernen. Das Ding ist ziemlich warm, riecht komisch und hat Wasser in seinem Bauch!!!

Während ich also alle Kabel und möglicherweise allergisch auf das Wasser reagierenden Stromquellen beiseite räume, geht mir der Gedanke, dass es wohl ziemliches Glück war, dass ich rechtzeitig aufgewacht bin, durch den Kopf. Hätte ich das leise Plätschergeräusch nicht wahrgenommen, wäre wohl noch ein bisschen mehr Wasser in der angeschlossenen Dose gelandet – was wiederum ein Aufglimmen des weihnachtlichen Engelshaares zur Folge gehabt hätte, das nebst ein paar Feen die Oberfläche meines Sekretärs schmücken durfte. Wer weiß, wer sich dem Freudenfeuer noch angeschlossen hätte. Solch ein Gezündel wäre in der Tat nicht ganz so in meinen Interesse gewesen.

In Ansicht, dass das Tropfen bald wieder nachlassen wird, lege ich noch ein paar Tücher aus, stelle eine Auffangschale auf, gehe zurück in mein Bett und schicke ein dickes gedankliches Dankeschön an meine Schutzengel. Den Schreck noch immer in den Knochen, will ich dennoch wieder einschlafen, denn ich bin ziemlich müde. Jedoch muss ich schnell feststellen, dass ich mich geirrt habe, was das baldige Abklingen des Wasserstroms angeht. Es tropft munter weiter – und weiter – und weiter. Ich fluche ein paar Mal laut.

Die Gefahr, das, falls ich einschlafen sollte, mein Zimmer recht bald unter Wasser stehen wird, besteht zwar nicht – aber das Tropfen bohrt sich penetrant in meinen Kopf und ich höre jedes so laut, wie einen Hammerschlag. Wenn man etwas nicht bemerken will, dann bemerkt man es natürlich umso mehr. Ich äußere noch mehr Flüche – gedacht und in mein Kissen geschrien.

Ein letzter hoffnungsvoller Versuch: In Absicht, dem Tropfen ein Ende zu setzen, schalte ich die Klimaanlage an. Es hilft nicht bei meinem Tropfsteinhöhlenproblen. Es zeigt mir nur, dass das Gerät überdies nicht mehr funktioniert. Ich wickle mich wieder in meine Bettdecke. Todmüde. Dem Schreien (und Heulen) nahe. Jedoch muss ich mir eingestehen, dass ich im Moment nichts tun kann, außer abzuwarten, dass es irgendwann von allein aufhört. Schließlich kann nicht der ganze Pazifische Ozean aus der Anlage herauströpfeln. Ich werfe einen letzten Blick auf die Uhr – es ist inzwischen halb 3 – drehe mich zur Seite und versuche fokussiert auf meinen Atem, statt auf das Tropfen, einzuschlafen. Und siehe da: Irgendwann wird die undichte Stelle immer ruhiger, bis sie schließlich gänzlich verstummt und ich wieder in selige Träume gleiten kann.

Ein Hoch auf einen ruhigen und friedlichen Schlaf.
Ein Hoch auf meine Schutzengel, die einen klasse Job gemacht haben.

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