Ein weiser Mann geht seines Weges, als ihm auf der Straße ein zweiter Mann begegnet, dessen Körperhaltung, Bewegungen und Mimik angespannt, hart und unnahbar wirken. Noch ehe dieser an ihm vorbei ist, umfasst der weise Mann sanft seinen Arm, sieht dem Mann in die Augen und spricht mit weicher Stimme: „Was auch immer dein Herz in einen Panzer gekleidet hat, lass deinen Groll los, mein Freund. Er dient dir nicht gut. Weder ist er in der Lage, etwas von dem zu verändern, was in der Vergangenheit geschehen ist, noch wird er dir auf deinem weiteren Weg ein guter Begleiter und Freund sein.“
Der Mann steht im regungslos gegenüber. Erstaunen, Verwirrung und Empörung zeichnen sich auf seinem Gesicht ab, doch ist er nicht in der Lage etwas zu erwidern. Erst nach einer Weile erwidert er langsam, den Hauch von Furcht in der Stimme: „Aber, wenn ich meinen Groll loslasse, bin ich dann nicht leer? Was bleibt mir dann noch?“
„Nein, mein Freund“, erwidert der weise Mann mit einem Leuchten in den Augen. „Du magst das Gefühl haben, dass es so ist, weil der Groll schon so lange in der weilt. Aber es wird genau andersherum sein. Du wirst erfüllt sein, von dir selbst. Weil du nicht mehr von Groll überlagert bist, er dich nicht mehr von dir selbst abschneidet und trennt und du dich selbst endlich wieder zu fühlen vermagst.“

 

01/2014 © Sandra Andrea Huber

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