Zwei und Dieselbe


Autor:
Mary E. Pearson
Erscheinungsdatum: 12.01.2011
Seitenanzahl: 336 Seiten
Verlag: Fischer Verlag
Genre: Jugendbuch
Taschenbuch (ISBN: 978-3596808601): 7,99 €
eBook: 7,99 €

KLAPPENTEXT

Ich bin alles, was möglich ist

Körperlich unversehrt, aber ohne Erinnerung erwacht Jenna aus dem Koma. Verzweifelt versucht sie herauszufinden, wer sie einmal war. Denn der Mensch, als den ihre Eltern sie beschreiben, bleibt ihr fremd. Die Wahrheit, der sie schließlich Stück für Stück auf die Spur kommt, ist ungeheuerlich: Jenna hatte einen furchtbaren Unfall – und ihre Eltern haben alles medizinisch Mögliche getan, um sie am Leben zu erhalten. Doch ist sie wirklich noch dieselbe?

© Fischer Verlag


Die Frage „Wer bin ich“ interessiert mich – auf einer Vielzahl von Ebenen. Was wohl auch der Grund war, warum ich dieses Buch gekauft habe. Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, war ich entsprechend „vorbereitet“, hatte bestimmte „Erwartungen“, was passiert. Als ich etwa auf Seite 60 angelangt war, durfte ich jedoch feststellen, dass hier „mehr drin ist, als draufsteht“.

INHALT

Jenna Angeline Fox erwacht nach 1 ½ Jahren aus dem Koma und kann sich weder an ihr Leben, die Menschen darin, noch an sich selbst erinnern. Natürlich: Eine mögliche Konsequenz nach einem (langen) Koma. Doch Jenna erwacht nicht „nur“ aus dem Koma, in dem sie aufgrund eines Unfalls gelegen hat. Sie erwacht aus einer anderen Dunkelheit. Hinter ihrem „neuen Leben“ steckt sehr viel mehr. Geheimnisse, Grenzüberschreitungen, Manipulation. Die Geschichte von Jenna ist eine Geschichte um die Liebe von Eltern zu ihrem Kind, Ethik, Wissenschaft, Macht und der Frage nach Menschlichkeit.

Wo genau in unserem Körper sind „wir“?
Was ist Persönlichkeit – und wo steckt sie?
Wenn wir nur noch 10% unseres Selbst wären – wären wir dann immer noch wir?

Eine Stelle im Buch, bei der ich länger innegehalten und zu der ich mehrmals zurückgeblättert habe:
„Wann ist eine Zelle endgültig zu klein, um unser Wesen zu verkörpern?“, Seite 240


STIL

Das Buch ist ein Roman, der sich jedoch nicht wie ein üblicher Roman liest. Er wirkt (besonders in der ersten Buchhälfte) sehr sachlich und distanziert – obwohl viel über die Gefühle und Gedanken von Jenna geschrieben wird. Das ganze Buch ist aus ihrer Sicht geschrieben, erinnert an eine Art Tagebuch, geschrieben aus Entfernung und mit Abstand. Manchmal sind die Gefühle gar so rational gehalten, dass sie (paradoxerweise) schon wieder unheimlich emotional wirken. Sie schreibt häufig in der dritten Person – über die Jenna, die sie früher war, die auf den Filmaufnahmen zu sehen ist, die früher auf jene Schule gegangen ist … Nüchtern. Beobachtend. Rational. Aufgrund ihrer Situation mag das angemessen und passend sein, vielleicht war es auch die Absicht der Autorin, dies so zu wählen. Für den Leser erzeugt es den Eindruck einen übergeordneten Blick zu haben, ohne tief in eine Person zu blicken und einzutauchen. Man ist in Jennas Perspektive, und doch ist man es nicht.

War ich anfangs noch nicht ganz sicher, was ich von dem Buch halten soll, weil es eben sehr nüchtern geschrieben ist und es dauert, bis endlich aufgeklärt wird, was es mit Jenna auf sich hat, hat mich das Buch ab Seite 180 bis zum Ende vollkommen gefesselt. Ab hier habe ich den Vorteil der distanzierten Position entdeckt: Man wird nicht zu Jenna, sondern bleibt bei sich selbst und kann all die Fragen um das für und wider, das richtig und falsch ihres Geheimnisses aus der eigenen Perspektive beantworten, durchleben und betrachten. Das, was ihr passiert ist, was sie ist, wird schlagartig zu mehr als der Geschichte einer Romanfigur. Es wird zu großen und präsenten Fragen der eigenen, realen Welt – einer möglichen zukünftigen Welt.

Es gab eine Begebenheit, bei der ich mich wirklich gegruselt habe: die drei Rechner, die hinter einer Tür im Schlafzimmer von Jennas Mutter aufbewahrt werden. Das, was darauf „gespeichert“ ist … in der Dunkelheit existiert … Diese Vorstellung hat wirklich eine Vielfalt von Gefühlen in mir ausgelöst.


FAZIT

Ein komplexes Jugendbuch, das den Leser auf besondere Art und Weise auf die Reise zu einigen grundlegenden Fragen unseres (Da)Seins führt und eine persönliche Stellungnahme fordert: Wie weit darf man gehen? Was ist richtig und was falsch (was ist mit Grauzonen)? Gibt es Grenzen, die der Mensch nicht übertreten sollte? Was ist es, das uns als uns definiert? Uns ausmacht?

Ich vergebe vier Herzen

Bewertung Bücher_4

 

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