Was falsch läuft, was sich „Größere“ gegenüber „Kleineren“ erlauben, sollte nicht immer verborgen, versteckt und ungesagt bleiben, sondern ans Tageslicht kommen. Wenn sich ein paar trauen, trauen sich bald mehr. Und wenn sich mehr trauen, dann trauen sich diejenigen, die andere überrennen, ausnutzen oder übergehen bald nicht mehr so weiterzumachen, sondern müssen entweder das einstecken, was ihr Handeln erzeugt hat oder neue, faire, moralische und wertvolle Wege finden.

Öffentlich schmutzige Wäsche zu waschen oder Schlammschlachten auszutragen liegt mir nicht, weil ich Differenzen und Dispute, sollten sie tatsächlich und überhaupt auftreten, anständig und fair löse. Unter vier Augen, möglicherweise auch in größerer Runde, je nach dem, um was es geht. Bei dieser Angelegenheit bzgl. eines von mir geschriebenen Artikels, Urheberrecht, Wertschätzung, Geld und – für mich – vor allem um eine Enttäuschung in menschlicher Hinsicht, habe ich mich jedoch gegen das Mund halten und runterschlucken entschieden. Weil es nicht in Ordnung ist und kommt, egal wie oft ich es drehe und wende, im Kopf durchgehe und versuche es nachzuvollziehen.

Im März habe ich mich bei der Zeitschrift „Bewusster Leben“ beworben und habe mich riesig gefreut, als mir der Chefredakteur eine Möglichkeit gab, mich zu bewähren. Ich sollte angelehnt an einen Ratgeber einen Artikel über das Thema Selbstfürsorge schreiben, 10.000 Zeichen. Die Telefonate mit Herrn H. waren freundlich und angenehm, und da ich nicht schon vor einer Kostprobe „meines Wertes“ mit der Tür ins Haus fallen und Ansprüche stellen wollte, schlug ich vor, die Höhe des Honorars nach Abgabe meines Artikels zu besprechen, wenn klar war, ob ich überhaupt einen passenden Text abliefern kann.

Ich verschickte meinen Text als PDF, sollte ihn dann aus besseren Verarbeitungsgründen nochmals als Word-Doc schicken, danach bekäme ich mein Feedback. Hab ich gemacht, mit dem Gedanken, dass der Text scheinbar nicht gänzlich schlecht war, andernfalls hätte ich sicherlich sofort eine Absage bekommen. Es vergingen einige Tage, dann bekam ich eine E-Mail, in der Herr H. mir erklärte, dass ihn mein Text nicht überzeugt hat; er selbst nochmals sehr viel Zeit in den Artikel investieren musste, damit er sich für die Zeitschrift eignet. Es war nicht mein erster derartiger Text und ich selbst fand ihn gut – weswegen ich erst mal etwas down war. Nachdem ich meine „Niederlage“ verarbeitet hatte, wollte ich auf jeden Fall nochmals mit Herrn H. sprechen, um mir ein kurzes Feedback inkl. Kritik zu holen. Ich wollte einfach das Beste aus der Situation machen und zumindest etwas mitnehmen/lernen.

Herr H., hatte eigentlich überhaupt keine Zeit für mich, als ich ihn anrief. Ich erklärte ihm freundlich, dass ich nur gerne und kurz wüsste, was an meinem Artikel „so daneben war“. Daraufhin erklärte er hörbar genervt, dass das schon wieder so lange her sei, dass er sich erst wieder einlesen und hineindenken müsste. Gut, dachte ich mir etwas skeptisch, und ließ nicht locker: „Aber was hat Sie denn gestört?“ Die nächsten Worte in abfälligem Tonfall klappten mir erst mal den Mund auf. Es sei nicht seine Aufgabe, mir zu erklären und beizubringen, wie das Schreibhandwerk funktioniert. Nachdem ich meine Stimme wieder gefunden hatte, habe ich nicht mehr viel gesagt, weil ich es ab diesem Zeitpunkt für überflüssig hielt. Weder hatte ich es nötig, mich so anschnauzen zu lassen, noch musste ich mir sagen lassen, dass ich Inkompetent bin, was das Schreiben angeht.

Für mich war die Sache erledigt – doch blieb ein mulmiges Gefühl im Bauch zurück, dass sich als nicht unbegründet herausstellte. Als ich die nächste Ausgabe am Kiosk entdeckte und aufschlug, um mir zu Gemüte zu führen, wie ein richtiger Artikel klingen muss, konnte ich es kaum fassen. Was ich las, war – fast im Original, mit einer Passagenkürzung und sonstigen kleinen Schönheitskorrekturen in Form von Synonymen wie „in Einklang zu bringen“ statt „unter einen Hut zu bringen“ – mein Artikel. MEIN Beitrag, der von einer Frau F. geschrieben wurde. Ich stand am Kiosk und wäre sprichwörtlich beinahe geplatzt, so wütend und enttäuscht war ich. Zuhause habe ich den Text mit meinem abgeglichen. 80% mein Artikel, mindestens. Meine Aufarbeitung und Gliederung samt Überschriften, meine Beispiele und Vorschläge (nein, so viel Mühe andere zu wählen, hat sich niemand gemacht) und meine Worte, die, wie manche schmunzelnd wissen, wirklich oft typisch ich sind. Ein Absatz ist sogar komplett, ohne auch nur eine einzige Kürzung übernommen worden. Der, auf den ich gekommen bin, weil MEIN Meerschwein mich darauf gebracht hat.

Ich schrieb eine wirklich „nette“ E-Mail an Herrn H. (im Sinne von „liebe deine Feinde, denn es ärgert sie am meisten“), in der ich mich freudig zeigte, dass mein Artikel nun doch verwendet wurde, ich gerne mein Honorar besprechen und ihn auf den Urheberrechtsfehler im Magazin hinweisen möchte. Die Antwort: Ein netter Versuch meinerseits. Er könne nicht erkennen, dass ein Text von mir berücksichtigt wurde. So viel Dreistheit war & ist für mich kaum zu schlucken. Neben der Wut, weil ich Zeit und Mühe investiert habe, um diesen Artikel zu schreiben, der Fassungslosigkeit und Empörung über solch eine Art und Weise, der Enttäuschung in menschlicher Hinsicht, die wirklich arg, arg ins Gewicht fällt, hat mich immer wieder die Frage gequält, ob ich mir nur einbilde, dass es mein Text ist, dass vielleicht er im Recht ist und nicht ich. Genau betrachtet ist das Quatsch, doch ich bin ein Mensch, der Fehler & Irrtümer nicht nur bei anderen, sondern auch bei sich sucht und nicht von Haus auf davon ausgeht, dass er im Recht ist. Doch diesmal finde ich den Fehler/Irrtum einfach nicht bei mir. Ich habe nach Vorgabe einen Artikel geschrieben, wurde ziemlich plump abgebügelt, dass ich nicht schreiben kann und mein Ergebnis ohne lange Überarbeitung nicht verwertbar ist – und dann finde ich meinen miesen Text unter Angabe einer anderen Urheberin in der aktuellen Ausgabe. Dass ich keinen Cent für meine Arbeit gesehen habe, rundet das Ganze natürlich nochmals ab.

Empörung, Wut und Enttäuschung – das bleibt zurück. Ich mag keinen Verlag führen, ein jahrelanges Schreibstudium an Universitäten nachweisen können oder ein vollendeter Profi sein, aber auch – oder gerade – weil ich so „ein kleines Licht“ bin, bin ich der Meinung, dass ich mir eine solche Art und Weise nicht gefallen lassen muss. Die gedruckten Magazine werden bleiben, wie sie sind, ich werde keinen Cent sehen oder gar eine Entschuldigung erhalten. Aber ich muss nicht auch noch den Mund halten und die Sache stillschweigend hinnehmen, als sei sie korrekt und in Ordnung.

Schlammschlachten liegen mir nach wie vor nicht und diese Angelegenheit hat mich viel Zeit, Nerven und Kraft gekostet, die ich eigentlich für andere Dinge hätte verwenden können und sollen. Was jetzt, am Ende dieses langen, langen Textes bleibt, ist immer noch ein wenig Gefühlschaos und – vor allem – Unverständnis. Wahrscheinlich kann ich dieses Verhalten so überhaupt nicht nachvollziehen, weil es mir niemals in den Sinn käme, so etwas durchzuziehen. Eigentlich dache ich, dass der Herausgeber eines neuzeitlichen, authentischen Magazins mehr Wert auf das Miteinander und Zueinander von Mensch zu Mensch gibt, doch scheinbar habe ich mich da geirrt.

PS: Übrigens: Ihr findet den Artikel, um den es hier geht, auch hier auf meinem Blog. Immerhin sollten zumindest ein paar Menschen wissen, dass er von mir ist ;) Ihr seid herzlich eingeladen ihn zu lesen und findet ihn hier.

 => NACHTRAG/AUFLÖSUNG 15.05.2014 <=

Ich möchte mich ganz herzlich bedanken: bei denjenigen, die ich kenne/die mich kennen, und auch bei jenen, die mich nicht kennen/die ich nicht kenne.

Als ich am Montag meinen Blog-Beitrag gepostet habe, habe ich nicht damit gerechnet, dass er eine derartige Resonanz hervorruft. Es war in der Tat „der Wahnsinn“, dass sich so viele angestoßen fühlten, meinen Beitrag zu teilen und/oder zu kommentieren. Damit habt ihr mir Mut gemacht und Kraft gegeben, dranzubleiben, als ich kurz davor war zu sagen „ich bin durch mit der Sache und hake es einfach ab“. Nicht, weil ich aufgeben wollte, sondern weil es mir schlicht und ergreifend an die Substanz ging und Kräfte- und Zeitverzehrend war.

Deswegen freue ich mich und bin ungemein erleichtert, dass ich hier und heute tatsächlich einen Haken hinter die Angelegenheit setzen kann. Denn: Herr H. hat mir heute das Honorar für meine verwertete Arbeit/meinen Artikel überwiesen. Damit ist die Sache für mich geklärt und erledigt. Die Erfahrung ist als Erfahrung abgebucht, ich weiß, auf was ich in Zukunft mehr Augenmerk legen und achten muss und werde. Ich bin „stolz“, dass ich drangeblieben bin, und sehe es auch nach wie vor als „richtig“ an, dass ich mich öffentlich dazu geäußert habe, weswegen ich den Beitrag diesen Sachverhalt betreffend nicht von meinem Blog löschen werde, wie ich Herrn H. auch mitgeteilt habe. Die Dinge sind passiert, wie sie passiert sind – doch sind sie jetzt, hier und heute, beidseitig geklärt und vom Tisch. Es wird Zeit, sich wieder mit schönen und wichtigen Dingen zu beschäftigen. Immerhin gibt es davon (glücklicherweise) eine Menge in unseren Leben :-)

Eine Randbemerkung, die an dieser Stelle nicht „notwendig“ ist, mir aber dennoch auf dem Herzen liegt:

Ich werde fortan nicht mit einer ständigen „Sei-Auf-Der-Hut-Einstellung“ durchs Leben laufen, weil ich nicht immerzu vom Schlechtesten ausgehen kann. Vor die Wahl zwischen „naiv“ und „chronisch misstrauisch“ gestellt, kann ich nicht anders als Ersteres zu wählen, weil ich sonst wahrscheinlich keinem Menschen mehr wirklich begegnen könnte und das wäre weit schlimmer. Auch, wenn mir bewusst ist, dass ich dabei auf die Nase fallen kann. Dennoch glaube ich, dass es wichtig ist, dass wir einander mit einer gewissen Prise „Vertrauen“ begegnen. Denn, wenn wir nicht mehr dazu in der Lage sind, was würden wir dann für eine Gesellschaft/Welt kultivieren? Ich bezweifle, dass es eine wäre, in/auf der es sich angenehm lebt. Das, wie erwähnt, nur noch so am Rande … ;-)

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4 Kommentare zu „Empörung, Wut & Enttäuschung

  1. Geile Nummer! Wenn das Beispiel der Verlage kein Einzelfall ist, sondern so etwas getreu dem Motto: „der Trottel wird schon sein Maul halten“, durchziehen um Geld zu sparen, dann MUSS man sich wehren. Es gibt schon viel zu viele Tricks der Firmen, sich professionelle Arbeitsleistung zu erschleichen (Bsp. Praktikanten die kaum Geld für langjährige Arbeit bekommen, aber danach gegen einen neuen Dummen ausgetauscht werden, mehrtägige „Probearbeit“ – natürlich unentgeltlich. Einstellung von ALG -Beziehern mit einer Förderung, usw.)
    Gute Arbeit kostet gutes Geld – So ist das nun mal!
    Da sollte man sich überlegen, ob man nicht als Blogger – den ich gerne auch als einen Online-Journalisten bezeichne, und der eine gewisse Macht hat, durch seinen Blog auf Missstände hinzuweisen – eine Blacklist von Verlagen veröffentlichen sollte, die solche Praktiken ausüben.
    Das man sich auch durchaus zusammenschließt und solche Beiträge verlinkt. Wenn so ein Beitrag ein paar tausend Mal im Netz – möglichst mit Aufruf eines Boykotts – erscheint und die Auflagezahlen zurück gehen, werden die Verantwortlichen wohl reagieren.
    Man kann die nur packen, wenn man Sie da erwischt, wo’s weh tut – im Portemonnaie.
    Ich finde es richtig, dies zu veröffentlichen! Gib Ihnen Saures!

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  2. Aber du hast doch den Text als Mailanhang verschickt, dann kannst du doch nachweisen, dass du ihn geschrieben hast.

    So einfach würde ich das ganze nicht auf sich beruhen lassen.

    LG Astrid Rose

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