library-425730

Gestern habe ich eine Situation erlebt, die mir ein breites Grinsen auf die Lippen gelegt und mir zudem einen Hoffnungsfunken der besonderen Art gegeben hat.

Ich wollte schnell ein ausgeliehenes Buch zurückbringen und mich nach einem anderen erkundigen, war allerdings etwas früh dran, womit ich nicht die Einzige war. Als ich mich vor der Tür der Bücherei postiert habe, stand dort bereits ein Junge, vielleicht acht oder neun Jahre alt, möglicherweise auch schon elf oder zwölf – manchmal ist das Schätzen gar nicht so leicht. Es dauerte nicht lange, da stieß eine ältere Frau mit großer Tasche zu uns. Nach einem kleinen Plausch mit ihr – „Der Friseurbesuch heute ging ja wirklich schnell, ich hatte länger eingerechnet, das waren ja nicht mal zwei Stunden; wie viel zu früh bin ich denn genau dran?“ – gesellten sich weitere Personen zu uns: eine Mutter mit ihrem Sohn, zwei Mädchen, Freundinnen oder Klassenkameradinnen, vielleicht auch beides, und eine Frau mittleren Alters.

So standen wir also, etwa zwei Minuten vor 16 Uhr, in einer Menschentraube vor der Bücherei und warteten auf Einlass, jeder darauf aus, endlich ins Innere zu kommen. Wäre dies eine Filiale von Aldi, dem leckeren Italiener um die Ecke oder dem Schuhladen mit Ausverkauf gewesen, könnte ich sagen, das sei nichts Besonderes, sondern Tagesgeschehen. Bei einer Bücherei habe ich dieses Phänomen bisher jedoch eher selten erlebt. Wahrscheinlich war ich gerade deshalb so amüsiert und erfreut darüber.

Die Wartenden, mich eingeschlossen, haben nicht nur alle Generationen abgedeckt, auch beide Geschlechter waren anzutreffen. Möglicherweise hätte ein älterer Herr oder ein Mann in den mittleren Jahren das Bild noch etwas mehr abgerundet, doch kann ich dazu nur sagen: Mein Opa hat mindestens so viele Bücher wie ich, wenn nicht sogar mehr, und ist zudem ebenfalls begeisterter Gast in der Bücherei :)

An dieser Stelle muss ich mich nochmals wiederholen: der Geist nach neuen Ebenen und Abenteuern strebt, sich erlaubt, traut und danach sehnt, die Fühler nach neuen Eindrücken auszustrecken und sich mit den Gedanken, Gefühlen, Ideen, Träumen und Ängsten anderer zu verbinden und sie zu teilen, eine gute Welt ist. Eine, die nicht einfriert und stagniert, das Gefühl füreinander verliert oder aufhört an Träume, Wunder und das Magische zu glauben.

Das geschriebene Wort ist eine mächtige Waffe, ein kraftvolles Schild, eine wärmende Decke, ein Sturm, der aufrütteln und aufwecken kann, die Axt für das gefrorene Meer in uns, wie Franz Kafka den Sinn eines Buches einst wunderbar umschrieben hat. Was diese Aussage angeht, möchte ich noch etwas hinzufügen: Das bezieht sich nicht nur auf den Leser, sondern auch auf den Verfasser.

Das geschriebene Wort hat unleugbar eine besondere Magie inne – ebenso wie ein Büchereiausweis.

Eure

Sandra Andrea Huber

Advertisements

Ein Kommentar zu „Der magische Büchereiausweis

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s