Wo der Regenbogen anfängt

Autor: Julia Bohndorf
Erscheinungsdatum: 15. Juni 2015
Seitenanzahl: 400 Seiten
Verlag: SadWolf Verlag
Taschenbuch (ISBN: 978-3981712735): 14,90 €
E-Book: 5,49 €

 

KLAPPENTEXT

Maeve und Niamh McKee sind Vollwaisen. Zu allem Überfluss kämpft die elfjährige Niamh gegen Leukämie und ihre 21 jährige Schwester scheidet als Knochenmarkspenderin aus. Die beiden begeben sich auf einen Road Trip von Berlin nach Wicklow in Irland, um Niamh neuen Lebensmut zu geben und vielleicht sogar, in der Heimat ihrer Eltern, einen passenden Spender zu finden. Die Fruchttüte in der Big Mac Verpackung und der verhedderte Regenschirm in der Bärenfellmütze vor dem Buckingham Palace bilden nur den Anfang von Ereignissen auf einer Reise, die neue Lebensfreude und Zeit zum Lachen und Weinen schenkt. Doch kurz bevor sich der Road Trip dem Ende neigt und der quälende Krankenhausalltag wieder Einzug hält, erscheint das personifizierte Glück in Form eines scheinbar fantastischen Wesens vor den Schwestern und benötigt dringend ihre Hilfe …

© SadWolf Verlag

STORY

Obwohl das zentrale Thema des Buches die Leukämieerkrankung der elfjährigen Niamh ist, tendiere ich mehr dazu diesen Roman als (Power)Schwestern-Roman zu bezeichnen. Ganz einfach deshalb, weil die Krankheit natürlich vorgibt was möglich ist und was nicht, über jedem Moment schwebt, wie das sprichwörtliche Damoklesschwert. Aber um was es meiner Meinung nach viel mehr geht, ist, wie eine Familie – in diesem Fall die mit irischen Wurzeln versehene Familie McKee, insbesondere die große Schwester Maeve – damit umgehen, gemeinsam kämpfen und (füreinander) stark sind.

Obwohl Meave gerade mal 21 ist und der Tod ihrer Eltern kaum richtig überwunden ist, ist sie uneingeschränkt und bedingungslos für ihre kleine Schwester da. Sie übernimmt gleichwohl die Rolle der Mutter, der besten Freundin als auch der Schwester und versucht Niamh Hoffnung und Trost, Lebensmut und Freude zu schenken, wo sie nur kann. Häufig sagt man, Familienbande seien die stärksten, die es gibt, und in dieser Geschichte beweist sich das.

Ein paar Bedenken hatte ich in Bezug auf die Begegnung mit dem fantastischen Wesen, weil ich mich gefragt habe, ob die ernste Realität nun in eine fantastische Welt kippt, was für mich ein zu arger Stilbruch gewesen wäre. Diese Befürchtung hat sich jedoch zerstreut. Das Aufeinandertreffen bringt einen Funken Magie, ebenso wie einen Funken Hoffnung mit sich, lässt der realitäts- und lebensnahen Geschichte jedoch seinen Lauf.

Im letzten Viertel des Buches hätte ich den Fokus gerne ein klein wenig mehr auf das Miteinander von Meave und einer bestimmten, männlichen Person gelenkt, um diese besser greifen und verstehen zu können. Sie blieb, obwohl sie schlussendlich eine bedeutende Rolle spielt, etwas außen vor. Hier hat mir ein Stückchen der Emotionalität gefehlt, die sich sonst durchweg durch die Geschichte gezogen hat. Was das Ende des Romans angeht, kann ich mich jedoch nicht beschweren ;)

CHARAKTERE

Die Persönlichkeiten der beiden Schwestern wurden mit viel Liebe und Feingefühl ausgearbeitet, sodass jede für sich ein starker Charakter ist (McKees sind eben nicht so leicht unterzukriegen ;-)).

Meave ist nicht auf den Mund gefallen, im Kern jedoch sensibel und verletzlich, auch wenn sie sich nach außen hin stark – und teils auch unnahbar – gibt. Niamh ist ein bisschen vorlaut, manchmal eine kleine Nervensäge, die jedoch für ihr Alter viel (von der Welt) versteht und ein Kämpferherz hat – was sie angesichts ihrer Krankheit natürlich braucht. Sie ist ein intelligentes Kind, das durch gern und häufig genutzte Lieblingswörter und gelegentliche Wortsalate (Kompotenz statt Kompetenz) zusätzliche Sympathiepunkte für sich sammelt. Zudem hat sie einen guten Geschmack was (Hör)Bücher angeht ;-)

Was die Nebencharaktere (Oma, Tante und Onkel etc.) angeht: Auch diese bleiben nicht eindimensional, nehmen ihren Platz in der Geschichte ein und bereichern sie um ihr individuelles Wesen.

SPRACHE

Der Schreibstil von Julia Bohndorf ist flüssig, locker und charmant. Es macht Spaß die Geschichte zu lesen, neben Meaves Perspektive auch mal ins Niahms Kopf zu blicken (sie schreibt Tagebuch), sich die Szenerie bildhaft vorstellen zu können und das „Schwesterngeplänkel“ (ebenso wie die ernsten und traurigen Dialoge) zu verfolgen. An mancher Stelle, ob nun in Bezug auf die Umgebungs-/Handlungsbeschreibungen oder die Dialoge, wäre etwas weniger Ausführlichkeit bzw. Länge vielleicht mehr gewesen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

BOTSCHAFT

Was bei einem Roman wie diesem natürlich beschäftigt und zurückbleibt: Die Wahrheit, die in ihm steckt. Leukämie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, Niahms Schicksal ist kein Einzelschicksal, einen passenden Spender zu finden und gesund zu werden ist für viele Menschen die große Hoffnung.

Julia Bohndorf hat mit dieser Geschichte nicht nur gezeigt, wie hart der Kampf gegen die Krankheit ist – für die Erkrankten und Familien/Beteiligten – und dass man dennoch den Humor und den Mut nicht verlieren darf. Sie hat auch sensibilisiert und aufgeklärt, wie man helfen kann und zwar ohne Angst oder Bedenken. Denn, was ich bis jetzt ebenfalls nicht wusste, ist, dass den Erkrankten in 80% aller Fälle mittels einer Stammzellenspende, vergleichbar mit einer Blutplasmaspende, geholfen werden kann.

FAZIT

„Wo der Regenbogen anfängt …“ ist ein realitätsnaher, berührender und zugleich unterhaltsamer Roman, der mit viel Liebe zum Detail geschrieben wurde, die starke Verbindung zweier starker Schwestern aufzeigt und den Leser zum Nachdenken und Handeln anregt. Denn: Die (einfache) Entscheidung sich testen zu lassen kann dazu führen, dass eine der vielen Niamhs der Welt gerettet wird und ein gesundes, glückliches Leben führen kann!

Ein gelungenes, gefühlvolles Debüt, dem ich 4 Power-Schwestern-Herzen gebe!

Bewertung Bücher_4

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