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Aktuell nehme ich eine kleine Auszeit vom Tun und Machen, betreibe Innenschau, füttere mich mit inspirierender Kost, stimme mich auf den Herbst und mich selbst ein, dehne die Zeit zu meinen Gunsten und lasse das Außen weiterhetzen, wenn es das ist, was es tun will. Man muss nämlich nicht immerzu mithetzen; kann wie ein bockiges Kind die Füße in den Boden rammen und sagen: „Da spiele ich nicht mehr mit.“ Und dann stellt man fest, dass die Welt nicht untergeht; weder die persönliche noch die große, weite Welt. Diese Erkenntnis ist ungemein leicht, wenn man das Karussell von außen betrachtet und ziemlich schwer, wenn man darin sitzt und unentwegt im Kreis fährt. Oft ist einem speiübel und trotzdem fährt man weiter – man will schließlich nichts verpassen oder der erste sein, der aufgibt, während die anderen noch fahren und einen Vorsprung an Runden aufbauen. Doch es ist wichtig das Karussell zu verlassen; einen Schritt zurück zu treten und innezuhalten – um sich selbst wieder einzuholen; zu erkennen, was genau man eigentlich will; was wirklich wichtig ist – nicht für die Welt, sondern einzig und allein für sich selbst. „Was will ich? Wohin will ich? Warum will ich dorthin?“ – Fragen, die kein anderer für uns beantworten kann und deren Antworten wir nicht finden, wenn wir uns mit zusammengepressten Augen an einem Holzpferd festklammern, darum bemüht uns nicht zu übergeben oder vom Karussell geschleudert zu werden. Karussell fahren ist schön, aber nur, wenn wir selbst das Tempo bestimmen, auf- und absteigen können, wann wir wollen; wenn wir derjenige sind, der den Preis festlegt.

Für Entschleunigung und Innenschau ist jede Zeit recht und richtig; der Herbst (ebenso wie der Winter) ist jedoch besonders vorteilhaft, weil sich das Leben von draußen nach drinnen und von außen nach innen verlagert. Er wirkt quasi unterstützend, drängt regelrecht auf Entschleunigung und Muße. Kontemplation ist kein Fremdwort; es ist die Kommunikation und Begegnung mit sich selbst und dem, was man womöglich irgendwo auf dem Weg (aus den Augen) verloren hat. Weil man zu sehr um Anerkennung und Wertschätzung gekämpft hat; zu verbissen auf etwas hingearbeitet hat, das in Wahrheit das Ziel eines anderen ist; sich zu oft mit anderen gemessen hat; zu oft zu hart zu sich selbst war, wenn etwas nicht (gleich) geklappt hat; vergessen hat, dass man gut und richtig ist, genauso, wie man ist.

Das Außen kann noch so laut und grell und voll sein; fühlt man Leere oder Sehnsucht in sich, wird diese nie (dauerhaft) davon gefüllt werden können. Eckig passt nun man nicht in rund – und rund ist, was wir brauchen. Menschen brauchen Sinn und Liebe und Miteinander, nicht Funktionalität, Macht oder Trennung. Menschen brauchen Leidenschaft, Begeisterung und Bestimmung – weil Menschen keine Roboter sind und nicht automatisch alles gut und schön ist, was perfekt funktioniert. Klar kann man versuchen sein Leben zu perfektionieren; die Frage ist jedoch: Willst du ein perfektes Leben oder lieber ein glückliches? Perfekt macht auf Dauer nicht glücklich; perfekt macht auf Dauer unglücklich, weil perfekt nie perfekt genug sein wird. Und wenn wir eines Tages sterben, woran werden wir uns dann erinnern? An die perfekten oder die glücklichen Momente? Die Tage, an denen wir produktiv und fleißig waren oder an die, die wir mit atmen und leben und lachen verbracht haben? Mit dem, was uns erfüllt hat? Dem, was wir lieben? Dem, was für uns lebens-wert war?

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Wer an einem bestimmten Ort ankommen will, muss darauf zulaufen – dabei darf das Ziel jedoch nicht wichtiger werden als der Weg. Unser Leben ist der Weg; die Tage unsere Schritte. Wenn die Tage weder Spaß noch Freude bringen, verfolgen wir einen falschen Weg oder haben ein falsches Ziel vor Augen. Im strömenden Regen ohne Schirm sein und trotzdem ein beseeltes Lächeln auf den Lippen haben – das ist, was zeigt, ob wir auf dem richtigen Weg sind. Richtig ist nämlich nur ein einziger Weg: unser eigener. Und diesen Weg erkennen wir nicht, wenn wir fortwährend in einem rasenden Karussell sitzen, sondern indem wir absteigen und einen Blick auf das werfen, was außerhalb des Karussells liegt und auf das lauschen, was nach uns ruft.

 

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